6月132014

3. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch 2012

Unter den 15 Streichquartetten von Schostakowitsch, ist das achte Streichquartett c-Moll op. 110, das
Bedeutenste. Im Sommer 1960, während eines dreitägigen Aufenthaltes Schostakowitschs im
ostdeutschen Luftkurort Gohrisch, entstand besagtes Werk, und war von Schostakowitsch seinerzeit in
Gedenken an die Opfer von Faschismus und Krieg verfasst worden. Tatsächlich war es sein
persönliches Requiem. Zu Ehren Schostakowitschs, einem der größten Komponisten des 20.
Jahrhunderts, wird daher in Gohrisch ein Festival veranstaltet.

In diesem Jahr fanden die Schostakowitsch Tage zum dritten Mal statt. Beginnend am 28. September,
konnten die Gäste des Festivals an drei Tagen z.B. die Sächsische Staatskapelle Dresden, den
weltbekannten Geiger Gidon Kremer, den Pianisten Igor Levit oder den Dirigenten Michail Jurowski
erleben. Auf dem Programm standen nicht nur Kompositionen von Schostakowitsch, sondern auch
Werke des polnischen Komponisten und engen Freundes Schostakowitschs Mieczysław Weinberg.
Außerdem kamen dem breiten Publikum auch weniger bekannte Kompositionen zeitgenössischer
Komponisten zur Aufführung. Die bemerkenstwerterweise fast alle ausverkauften Veranstaltungen
ernteten begeisterte Reaktionen der Besucher. Hierbei besonders zu nennen wäre das Klavierquintett
von Alfred Schnittke. Gidon Kremer, der auch eine enge persönliche Verbindung zu Schnittke hatte, hat
nach seiner Flucht nach Deutschland im Jahre 1980, immer wieder und teils auch gegen Widerstände,
Schnittkes Werke zur Aufführung gebracht. Im zweiten Satz des Klavierquintetts nimmt ein
melancholischer Walzer Anleihe an Schostakowitschs Jazz-Suite. Als im Schlußsatz das Thema der
Passacaglia auf dem Klavier erklang, und der gedämpfte Geigenklang Kremers wie ein leise
wimmerndes Echo einsetzte, war dies ein emotional überwältigender Moment. Auch das überaus
poetische und mysteriöse Duo für Viola und Violoncello von Victor Kissine und “Rejoice!” von Sofia
Gubaidulina waren Darbietungen in höchster Perfektion.

Am letzten Aufführungsabend erntete die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Dirigent Michail
Jurowski für den Vokalzyklus “Aus jiddischer Volkspoesie” tosenden Applaus. Evelina Dobračeva
(Sopran), Marina Prudenskaya (Alt) und Vsevolod Grivnov (Tenor) sangen makellos und bescherten
dem Festival ein würdigen Abschluß mit einem Happy End. Ein Loblied verdient Tobias Niederschlag
als künstlerische Leiter für dieses Programm.

 

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